Mein erster Sanierungsfall hatte keinen Auftraggeber.
Es war meine eigene Firma.
Vor 19 Jahren habe ich zum ersten Mal ein Unternehmen in Schwierigkeiten übernommen — als Gesellschafter, mit eigenem Geld und eigenem Namen. Nicht aus einem Lehrbuch heraus, sondern weil rund hundert Menschen dort arbeiteten und ich überzeugt war, dass da noch etwas zu retten ist.
Was ich in diesen Jahren gelernt habe, stand in keinem Seminar. Wie es sich anfühlt, wenn der Steuerberater freitags anruft und man weiß schon am Klingeln, worum es geht. Wie schwer es ist, morgens vor die Mannschaft zu treten und Zuversicht auszustrahlen, die man selbst gerade suchen muss. Und wie einsam die Rolle des Geschäftsführers wird, sobald es ernst ist — jeder gibt Ratschläge, keiner nimmt einem eine Entscheidung ab.
Es wurde kein einfacher Weg, und nicht jede Schlacht auf diesem Weg hätte ich mir ausgesucht. Aber der Betrieb hat es durch die Krise geschafft, und ich führe das Nachfolgeunternehmen bis heute.
Rückblickend war das die wichtigste Ausbildung meines Berufslebens. Seither weiß ich, was ein Geschäftsführer in der Krise wirklich braucht: keinen Vortrag über Ursachen, sondern jemanden, der die Verantwortung mitträgt und den Weg selbst schon gegangen ist.
Genau deshalb mache ich heute das, was ich mache.

